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Neubau Zentralbibliothek oder „Kollektiv der Zahlenjongleure?“ – Teil VIII: Welche Zahlen will OB Norbert Bude (SPD) eigentlich „prüfen“ lassen? [auch als Printversion zum Download]

Heftig kritisiert die CDU Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) zu dessen geplantem Einsatz eines externen Gutachters [1], durch den er die zur Stadtbibliothek vorliegenden Zahlen überprüfen lassen möchte. Prüfungen sind zwar grundsätzlich nichts schlimmes. Nur: Es ist bislang vollkommen unklar welche „Zahlen“ Bude denn überprüfen lassen will.

Sind es die Baukosten?

Sind es die technischen Anlagen zur Sanierung der Zentralbibliothek an der Blücherstraße und die daraus resultierenden Kosten?

Oder sind es die Kostenkalkulationen für den von der Ampel (noch) gewünschten Neubau an der Hindenburgstraße?

Das würde den Fachbereich Ingenieurbüro und Baubetrieb – Abteilung Hochbau – (be)treffen.

 

Oder sind es die Basiszahlen zur Mönchengladbacher Zentralbibliothek?

Viel wichtiger als Baukosten überprüfen zu lassen, ist es, die fachlich-inhaltlichen Ausgangsdaten einer kritischen Untersuchung zu unterziehen, die seit Jahren nicht selten nach freiem Gusto vom Fachbereich Stadtbibliothek und Museum in die Welt gesetzt und von Berichtsvorlage zu Berichtsvorlage und von „mündlichem Bericht“ zu „mündlichem Bericht“ mit immer neuen und „utopischen“ Argumenten hinterlegt werden.

Das würde den Fachbereich Stadtbibliothek und Museum (be)treffen.

Weil die Bibliotheksstatistik keine differenzierten Angaben zu den einzelnen Mönchengladbacher Bibliotheksstandorten „hergibt“, kann Fachbereichsleiter Guido Weyer für die Zentralbibliothek mit Zahlen „jonglieren“, wie es ihm (und den Neubau-Befürwortern?) gerade passt.

Sollte Bude wirklich hinsichtlich dieser Basiszahlen und -fakten einen „Gutachter“ einschalten wollen, wird es ihm nicht leicht fallen, jemanden zu finden, der nicht „aus der Szene“ und daher neutral ist.

Wie den einschlägigen Publikationen innerhalb und außerhalb des Internets zu entnehmen ist, singen fast alle Fachleute aus den öffentlichen Bibliotheken das gleiche „Selbsterhaltungslied“ von Neubauten mit Aufgaben, die in den geforderten Ausprägungen weit über die Aufgaben von Öffentlichen Bibliotheken hinaus gehen.

Dass dies so ist, beweisen die Argumentationen aus den schriftlichen Berichtsvorlagen, den mündlichen Berichten, Presseerklärungen und auch den Beschreibungen auf der Internetseite „Eine Lobby für Utopia“.

Man könnte durchaus von einer „konzertierten Aktion“ sprechen.

Fast deckungsgleich wird dort ein umfassender „Bildungsauftrag“ der Bibliotheken hervorgehoben und zum Maß der Dinge, ja, zum Credo erhoben.

Man spricht vom Erhalt der Bibliotheken als ruhigem Lernort, will aber andererseits die Bibliothek unter dem Motto „Bibliothek für das 21. Jahrundert“ mit Cafeteria oder gar Restauration ausstatten.

Woher haben beispielsweise die Neubaubefürworter diese Aussagen und wie fanden dieselben Aussagen Eingang in Berichtsvorlagen der Verwaltung? Oder war es nur ein „Abschreiben“? Oder hat die Verwaltung den „5 Grünen“ gar „die Feder geführt“?

Denn, das wird immer durchsichtiger besonders wenn man liest, was „Die 5 Grünen“ verlautbaren. [2]

Aber: Was andere Branchen und Institutionen eher stiefmütterlich behandeln, haben Bibliothekare schon lange und zielsicher im Blick: den demografischen und technischen Wandel.

Andere werden meist von den Ereignissen, wie Personaleinsparungen, Strukturwandel, gar Schließung mehr oder weniger überrascht und stehen somit übergangslos vor dem Nichts.

Anders die Bibliothekare.

Sie sind Strategen, die anscheinend nur eines im Blick haben: Sich und ihre Zunft unentbehrlich zu machen, obwohl oder gerade weil der technische Fortschritt in Bibliotheken schon längst Einzug hielt und zwar in Form von arbeitssparender Technick wie RFID, OPAC und einer Art „Selbstbedienung“ bis hin zur Zahlung am Automaten.

Was dies anbelangt, sind Bibliothekare cleverer, als in anderen Branchen Tätige.

Sie warten schon seit Jahren mit „Scheinbegründungen“ für eine so genannte „Bibliothek des 21. Jahrhunderts“ auf, die geprägt von durch die gesamte Bibliotheksszene geisternden und gebetsmühlenartig vorgetragenen Schlagworten, wie

  • „Medien- und Informationskompetenz und deren Vermittlung“,
  • „lebenslanges Lernen“,
  • „Vermittlung von Lesekompetenz“ und „Leseförderung“

Aber auch:

  • Bibliotheken sind diejenigen öffentlichen Orte, die die höchste Besucherfrequenz aufweisen.
  • Wichtigkeit von Schulungen und Kursen (Medienkompetenz) zu: korrektem Zitieren, Achtung des Urheberrechtes, sichere Nutzung des Internets, effiziente Suche nach E-Books und anderen Online-Ressourcen
  • Freier Zugang zu Informationen und Überwindung der „digitalen Spaltung“ (was immer dies auch bedeuten mag)

Und dann gibt es die (Kommunal-)Politiker, die nicht nur auf solches (sorry:) Gesülze reinfallen, sondern es soweit verinnerlichen, dass man an dem ihnen bislang zugeordneten Realitätsbewusstsein zweifeln muss.

Damit leisten diese Politiker auch noch der Meinungsmache Vorschub, die aus dem Bericht zur Lage der Bibliotheken 2012 des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) geradezu ins Auge springt:

„Das Spardiktat hält flächendeckend an. Weder auf Landes- noch auf kommunaler Ebene wird damit der dringend notwendige Ausbau der Bibliotheken vorangetrieben.“ (Zitat Ende)

Die Bibliothekare wollen demnach nicht erkennen, dass die finanziellen Grenzen der „Bibliotheksträger“, nämlich meist der Kommunen längst überschritten sind.

Von anderen Faktoren, wie demografischer Wandel und platzsparender, technischer Weiterentwicklung ist gar nicht erst die Rede.

Diese durchaus als bundesweite Kampagne einzustufende Vorgehensweise ist darauf angelegt, die nie angezweifelte Daseinsberechtigung durch zusätzliche (aufgabenfremde) Tätigkeiten aufzupeppen, indem versucht wird Bildungsaufträge zu aquirieren, die in Schulen u.ä. qualifizierter erbracht werden.

Dabei muss in Mönchengladbach niemand die Befürchtung haben, dass das System „Bibliothek“ geschlossen werden würde, wenn es keinen Neubau (an der Hindenburgstraße) gibt.

Anders wird ein Schuh draus: Würde ein Neubau wirklich durch- und umgesetzt, besteht aus Kostengründen gerade durch den Neubau die Gefahr, dass es zur Schließung von mindestens zwei Stadtteilbibliotheken (Giesenkirchen und Rheindahlen) kommt. Auch, wenn dies die dort agierenden Ortspolitiker offensichtlich nicht wahrhaben wollen.

Ein Blick nach Krefeld, dessen 2008 eröffnete Mediothek von den Grünen so gepriesen wird, würde schnell für Aufklärung sorgen. Dort geschieht gerade genau das!

Sollte OB Norbert Bude den Weg gehen, Gutachter zu beauftragen, dann täte er gut daran, neben einer möglicherweise angedachten Bewertung der Sanierungs- und/oder Neubaukosten vor allem die „Argumentationsbasis“ des Neubaues begutachten zu lassen.

Zu glauben, dass ein externer Gutachter, möglicherweise „aus der Bibliotheksszene“, eine Entscheidungsgrundlage pro oder contra Neubau erarbeiten könnte, würde sich dabei sehr schnell als Trugschluss und damit als Fehlentscheidung erweisen.

Tatsachen sind nämlich:

  1. Die vom Fachbereich (und anderen übernommenen) Besucherzahlen der Zentralbibliothek, die auf Grund ihrer Größe prädestiniert sind, Eindruck zu schinden, sind vollkommen intransparent und daher zur Heranziehung für Entscheidungen (gleich welcher Art) völlig ungeeignet, weil sie schon auf Grund der Art ihrer Erfassung nicht wirklich aussagefähig sind, und außerdem in der Bibliotheksstatistik für Mönchengladbach keine Standortdifferenzierung vorgenommen wird.
  2. Besucherzahlen allein sind kein Kriterium für die Notwendigkeit eines Neubaus, vor allem nicht, wenn erklärt wird, dass sich 60% davon nur in der Bibliothek aufhalten (z.B. lesend) und nichts ausleihen, dies lediglich 5% wirklich tun und somit 35% „übrig“ sind, die nirgends einzuordnen sind.
  3. Die Angaben zu den „Publikumsflächen“ können bei einer Bewertung nicht zugelassen werden, weil konkrete Angaben in qualitativer wie quantitativer Hinsicht dazu fehlen und die Auswirkungen zukünftiger Technik (z.B. Onleihe und zu erwartender Wegfall anderer Bereiche, wie Nachfrage nach CDs und DVDs) überhaupt nicht erwähnt werden.
  4. Der (vorgeschobene?) Platzmangel für die Ausleihmedien und sonstige Flächen (für Gruppenarbeit o.ä.) könnte – so denn überhaupt erforderlich (Nachweis fehlt) – durchaus durch einen Anbau an der Blücherstraße zu lösen sein, was im Übrigen schon 2010 im Gespräch war.

Bei dem Thema Bibliotheksneubau oder das von den „5 Grünen“ (seit neuerem hochtrabend) titulierte „Kultur-, Bildungs- und Medienzentrum“, scheinen für so manchen Politiker weder Basisfakten (s.o.) oder gar betriebswirtschaftliches Grundwissen zu zählen, sondern nur noch das reine „durchsetzen wollen“. [2]

In Zeiten leerer Kassen ein fatales Verhalten. Und ein geradezu „politisch selbstmöderisches“ obendrein.

Addiert man die Meinung der Neubaubefürworter hinzu, dass die Kosten eines Neubaues „im Blick gehalten“ werden, kommt man, angesichts ihrer „Augen-Zu-und-Durch“-Strategie und der mittlerweile „neubauvernebelten“ und von Scheuklappen fixierten Sichtweise, unwillkürlich zu der Frage, wie das wohl in der Praxis geschehen soll.

So darf man darauf gespannt sein, welcher Art das Gutachten sein soll, das OB Norbert Bude in Auftrag zu geben gedenkt und ob es sich tatsächlich nur eine kostenbezogene oder auch um eine bestandsorientierte betriebswirtschaftliche Beauftragung handelt.

Dazu gab es übrigens schon das so genannte „Rödl-Gutachten“.

Im am 12.10.2007 vorgelegten Abschlussbericht prognostizierten Rödl & Partner unter Nr. 39 ein Einsparpotenzial bei der Bibliothek von 550.000 EURO jährlich, wenn allein Veranstaltungen und Öffnungszeiten reduziert würden.

Es wäre sicherlich interessant zu erfahren, zu welchen Ergebnissen Rödl & Partner beim Thema Neubau oder Sanierung der Zentralbibliothek unter Zugrundelegung der aktuellen Bibliotheksdaten und –fakten, der Entwicklungen in den vergangenen sechs Jahren und der haushalterischen Situation der Stadt Mönchengladbach kommen würde.

[3]Anmerkung: Damit Interessierte alles einmal in aller Ruhe nachlesen können, gibt es hier eine „Printversion zum Download“