Sozialverband VdK Mönchengladbach vergibt Inklusionspreis an Jack Onkelbach und Werner Blug von der Hauptschule Kirschhecke [mit Videos]

Red. Gesundheit & Soziales [ - Uhr]

Zum 1. Mal verlieh der Kreisverband Mönchengladbach im Sozialverband VdK NRW e.V. am 21.12.2013 den neu geschaffenen und mit 200 Euro dotierten „Inklusionspreis des VdK Mönchengladbach“.

Mit diesem Preis zeichnet der VdK zukünftig Personen und Organisationen aus, die sich um das Thema „Inklusion in Mönchengladbach“ besonders verdient gemacht haben.

Vor der Verleihung, die im Rahmen der VdK-Jahresaus­klang­ver­anstaltung im Theater im Gründungshaus (TIG) stattfand und an der etwa 70 Personen, u.a. VdK-Mitglieder sowie Vertreter aus einigen politischen Parteien und aus der Verwaltung teilnahmen, gab der stellvertretende Kreisvorsitzende Werner Knor eine Statusbestimmung in Sachen Inklusion im Allgemeinen und in Mönchengladbach im Speziellen ab.

Mit Blick auf die weit verbreitete These in Politik und Verwaltungen, die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) stehe unter Finanzierungsvorbehalt und der so genannten „Konnexität“ erklärte Knor: „Die UN-BRK schließt ausdrücklich eine Umsetzung unter Finanzierungsvorbehalt aus. Dennoch entzieht sich die Politik auf allen Ebenen seit vielen Jahren der Verantwortung, was die Umsetzung der UN-BRK und damit den rechtlich begründeten Anspruch auf Verbesserung der Situation vieler betroffener Menschen angeht.“

Knor bezeichnete dieses Verhalten als diskriminierend und inakzeptabel.

Knor kritisierte auch den Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD in der es zur Umsetzung der UN-BRK heißt: „Wir werden die Ergebnisse der Evaluierung umsetzen“.

 


 

„Dünner geht es beim besten Willen nicht!“, bewertete der Inklusionsfachmann des Mönchengladbacher VdK-Kreisvorstandes diese Aussage.

In seiner Laudatio auf die beiden Preisträger hob VdK-Kreisvorsitzender Bernhard Wilms hervor, dass Jack Onkelbach und Werner Blug sich seit den 1980er Jahren aktiv für ein gemeinschaftliches Leben und Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen eingesetzt haben und dies auch an der Hauptschule Kirschhecke vorbildlich praktizieren.

Das also schon zu einer Zeit, als es das Wort „Inklusion“ noch nicht gab und an die UN-BRK noch niemand gedacht habe.

Ein besonderes Verdienst der beiden Pädagogen sei es, dass es durch die „Verknüpfung“ der Förderschule an der Wiedemannstraße (früher: „Schule für Lernbehinderte“) und der Hauptschule Kirschhecke zum Abbau von Berührungsängsten unter den Schülern, zwischen den Lehrerkollegien und auch den Eltern kam.

Und auch – und das sei ein weiterer Erfolg dieses besonderen Engagement – Förderschüler zu Hauptschülern wurden.

Alles ohne Unterstützung „von oben“ und nur mit einer stillschweigenden Duldung.

„Inzwischen ist gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern längst Normalität an der Kirschhecke. Unterschiede zwischen den Schülern sind nicht zu erkennen“, beschreibt Bernhard Wilms eigene Beobachtungen.

Wilms weiter: „Auch wenn es zur Umsetzung von Inklusion in der Schule noch des Bohrens vieler dicker Bretter bedarf, gilt es festzustellen, dass Jack Onkelbach und Werner Blug durch ihre Beherztheit und Ausdauer eine wichtige Grundlage dafür geschaffen haben.“

Vielleicht komme es ja über kurz oder lang dazu, dass der aktueller Vorschlag von Elternkonferenz, Schulleitung und Kollegium, die Kirschhecke zu einer inklusiven Gesamtschule zu machen, realisiert wird; wie auch immer eine solche Schule dann aussehen möge.

Jack Onkelbach erklärte in seiner kurzen Dankesrede, dass Werner Blug und er diesen Preis nur stellvertretend für die Schulgemeinde annehmen könnten. Die Kollegen und Mitarbeiter insgesamt seien es, die Inklusion an der Kirschhecke aktiv lebten und denen der Preis zugesprochen werden müsse.

Darin einzubinden seien besonders auch die Eltern, die mit dazu beigetragen hätten, dass sich integrative Förderung in Mönchengladbach überhaupt anstoßen ließ.

Wie erfolgreich gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen im Ergebnis aussieht, beschrieb Jack Onkelbach am Beispiel von „Philipp“, einem Jungen, der früher in eine Schule für geistig Behinderte ging.

„Er hatte das Etikett ,Du bist geistig behindert’“, erläutert Onkelbach die Ausgangssituation. Darüber hinaus war „Philipp“ auch Stotterer und schwerst körperbehindert. Mit hohem beharrlichem Engagement hatten Philipps Eltern es geschafft, ihn aus dem „Sonderschulkapitel“ herauszulösen und in eine Regelschule zu bringen.

Eindrucksvoll schilderte Onkelbach diesen Weg und Philipps Entwicklung an der Hauptschule Kirschhecke, die ihn schlussendlich sogar befähigte, als Zehntklässler die Abschlussrede seines Jahrgangs bei der Schulentlassung zu halten.

 


 

Jack Onkelbach schloss mit seinem Resümee: „Kinder lernen am besten voneinander und Vielfalt fördert und fordert“.

3 Kommentare zu “
Sozialverband VdK Mönchengladbach vergibt Inklusionspreis an Jack Onkelbach und Werner Blug von der Hauptschule Kirschhecke [mit Videos]”
  1. @ D.Pardon

    Sie sprechen mir aus der Seele! Dem, was Sie schrieben kann ich mich nur anschließen.

    @ Rendoerseg

    Es wird immer Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit verschiedensten Handicaps geben, die nicht gerne mit sogenannten „normalen“ Menschen oder wie man das überhaupt nennen kann, zurecht kommen.

    Sicher gibt es unter ihnen auch welche, genauso wie unter den sogenannten „Normalen“, die weniger Selbstbewusstsein haben, denen es an Selbstvertrauen mangelt oder andere Probleme haben.

    Da kommt es dann leichter zu Problemen. Aber die haben die auch, wenn sie “unter sich“ sind. Menschen sind verschieden.

    Wer kennt das nicht aus der Schulzeit, dass Kinder mit Brille als „Brillenschlange“ geärgert wurden. Das eine Kind weinte deswegen, das andere ließ vielleicht die Fäuste sprechen. Leider gibt es diese sogenannten „Hänseleien“ sogar heute noch.

    Es kommt auf uns alle an, dass so etwas gar nicht erst passiert. Eltern, Lehrer, alle Menschen sind gefordert und müssen lernen mit jedem Menschen „normal“ umzugehen und Einschränkungen oder Behinderungen anderer nicht nur als Belastung zu sehen.

    Das Beispiel von Philipp, das Herr Onkelbach in seiner Rede anlässlich des Erhalts des Inklusionspreises erzählt, zeigt, dass viel mehr möglich ist. Es muss aber auch gewollt sein:

    http://www.bz-mg.de/gesundheit-soziales/vdk-monchengladbach/inklusionspreistrager-jack-onkelbach-kinder-lernen-am-besten-voneinander-und-das-wissen-alle-ganz-genau-vielfalt-fordert-fordert-und-formt.html

    Außerdem, wenn alle Schulformen zusammen unterrichtet werden, können auch die Lehrer von jetzigen Sonderschulen und normalen Schulen entsprechend verteilt werden. Einige Schulen sind sehr gut ausgestattet, andere weniger.

    Das wird nach und nach Geld kosten, wenn es erst mal richtig läuft und manche Gebäude entsprechend umgebaut wurden, denke ich, dass es keinesfalls teurer wird als bisher.

    Der einzige Unterschied wird sein, dass es keine Trennung mehr gibt.

    Es kann aber auf gar keinen Fall sein, dass wieder einmal ausgerechnet an der Schulausbildung, diesmal der inklusiven, die m.M. nach aus zwischenmenschlicher Sicht ein großer Gewinn für alle Kinder sein wird, gespart wird.

    Je eher mit dieser Form des gemeinsamen Lernens begonnen wird, je eher werden Vorbehalte verschwinden.

    Sicher gibt es Behinderungen, die ein gemeinsames Unterrichten (zumindest aktuell) unmöglich machen.

    Aber wer weiß, vielleicht ist auch das irgendwann kein Thema mehr, sondern eine selbstverständliche Tatsache, dass auch solche Kinder einfach nur „anwesend“ sind. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das für beide Seiten einen Lerneffekt hätte und das Verständnis füreinander stärken würde.

    Schwerstbehinderte Kinder brauchen ständig entsprechende Betreuung. Die brauchen sie auch, wenn sie „unter sich“ sind.

    Stephen Hawking ist ein Genie. Er ist schwerstbehindert und kann nach einem Luftröhrenschnitt auch nicht mehr sprechen. Seine Leistungen und sein Lebenswille sprechen für sich!

    Er ist zwar kein Schüler mehr, aber Inklusion bezieht sich auch nicht nur auf Kinder und Jugendliche.

    Alles was behinderten Menschen hilft, hilft auch nicht behinderten. Ob Rollator, Kinderwagen oder nur mal vorübergehend auf Gehilfen angewiesen zu sein, macht deutlich wo im täglichen Leben die Schwierigkeiten sind.

  2. Der wichtigste Aspekt ist: Jeder Mensch ist anders.

    Das Beispiel Kirschhecke zeigt in hervoragender Weise: Nicht alles scheitert am Geld.

    Denn was dort erreicht wurde, war und ist auch ein Kampf gegen Bürokratie, Zwänge und Vorbehalte. Natürlich erleichtert Geld vieles, ist manches ohne Geld nicht – oder schwerer – möglich. Das Geld alleine ist allerdings nicht der alles-allein entscheidende Aspekt.

    Sicher werden sich viele Schulen – Schüler, Eltern und Lehrer – umstellen müssen.

    Die „Beglückung“ mit zusätzlichen Aufgaben bedeutet allerdings auch Hilfe durch Sonderschulpädagogen, denn wenn an Förderschulen die Schülerzahlen sinken, wird doch zwangsläufig Personal (Pädagogen, Erzieher, Logopäden…) an diesen Schulen weniger gebraucht und kann folglich verstärkt an Regelschulen eingesetzt werden (hier darf dann allerdings von der Landesregierung nicht klammheimlich Personal frei gesetzt werden, um Geld zu sparen).

    Die Zusammenarbeit der Hauptschule Kirschhecke mit der benachbarten Förderschule zeigt auch: die Schulverwaltung muss dringend reformiert werden – gerade wenn Förderschullehrer an Regelschulen unterrichten sollen, wenn Kollegien zusammenwachsen sollen.

    Das Beispiel Kirschhecke zeigt auch: vom Einsatz der Sonderpädagogen profitieren auch Schüler, die zwar keine Behinderung haben, aber trotzdem von einer zeitweiligen besonderen Förderung in einer kleinen Gruppe profitieren.

    Das Beispiel zeigt das, worauf es letztlich ankommt: Der Wille neue Wege zu beschreiten.

    Probleme an Schulen sind so vielfältig wie die unterschiedlichen Charaktere und Fähigkeiten von Menschen. Nicht immer harmoniert alles, nicht immer paßt alles.

    Das gilt allerdings nicht nur für inklusive Schulen, das gilt für jeden Schultypus, auch für Förderschulen.

    Nirgendwo läuft es problemlos, überall gibt es Vor- und Nachteile, treffen Eltern und Lehrer mit unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Förderung eines Kindes aufeinander.

    Nicht längst jedes Kind, das auf einem Gymnasium startet, ist auch für den gymnasialen Bildungsweg geeignet – und nicht jedes Kind muss auf Dauer auf eine Förderschule.

    Jedes Kind und jede Familie ist individuell. Letztlich müssen die Eltern entscheiden, denn diese haben nun mal die Verantwortung.

    Daher ist die Freiheit bei der Wahl der Schulform die entscheidende Grundlage für alle Eltern, die ihrem Kind nach eigenem Ermessen die beste Förderung zu kommen lassen wollen.

    Denn die Eltern kennen am besten die eigenen Grenzen und Möglichkeiten und die ihres Kindes.

    Wer will sagen, dass der beschrittene Weg zum Wohle eines Kindes der allein richtige ist? In die Zukunft schauen kann letztlich keiner, auch nicht Experten mit guten Ratschlägen.

  3. Es klingt ja gut, wenn man behinderte junge Menschen eingliedern will.

    Aber man darf nicht wegschauen wenn es um die Umsetzung geht.

    Lehrer und Lehrerinnen werden mit zusätzlichen (!) Aufgaben beglückt. Zudem müssen Umbaumaßnahmen durchgeführt werden, die Geld kosten. Geld, welches diese Landesregierung aber nicht zur Verfügung stellt.

    Dass Kinder sich untereinander verstehen und helfen stimmt auch nicht immer.

    Kürzlich habe ich in einem Beitrag über Glück beim WDR gesehen, wie behinderte Kinder in einer entsprechenden und speziellen Schule Sport trieben. Sie waren happy.

    Ein behindertes Mädchen sprach im Interview dazu, dass sie froh sei wieder in dieser „Behindertenschule“ zu sein, da sich hier unter Gleichen sei.

    Es gibt also viele Aspekte die berücksichtig werden müssen.

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