KRIZ: Betreiber und Investor konnten Wickrather nicht überzeugen

Red. Politik & Wirtschaft [ - Uhr]

11-11-17-publikum-2Mehr als 500 größtenteils aufgebrachte Bürger waren in die Adolf-Kempken-Halle gekommen, um die Informationen der „Jugendhilfe Dilborn“ zu hören, ihre Fragen loszuwerden und ihre Meinung zu äußern.

11-11-17-podiumModeriert von der freiberuflichen Moderatorin Sina Vogt wollten sich Investor Dr. Rüdiger Schmitz, Guido Royé und Hans-Jürgen Kersting (v.l.) diesen Fragen stellen.

Dass sich einige emotional geladene Teilnehmer nicht an die von der Moderatorin vorgegebenen Regeln hielten, sich ohne Wortmeldungen teilweise lautstark äußerten, und damit Beifall erzeugten, war einerseits nicht in Ordnung, andererseits machte dieses Verhalten deutlich, dass viele Wickrather sich nicht hinreichend eingebunden, falsch informiert und vor allem übergangen fühlten.

Deutlich wurde dies in mehreren Phasen der Veranstaltung.

Planungen laufen seit einem Jahr

Zu Beginn erklärte der Investor des Objektes, Dr. Rüdiger Schmitz, dass man seit einem Jahr dieses Objekt plane. Die Entrüstung vieler Teilnehmer, dass in dieser doch recht langen Zeit, keine Bürgerinformation erfolgte , wurde durch zahlreiche Zwischenrufe deutlich.

Verkäufer wurde „Betreutes Wohnen“ als Baumaßnahme genannt

Auf die Frage eines Veranstaltungsteilnehmers, was dem Verkäufer des Grundstücks über das geplante Bauvorhaben gesagt worden sei, antwortet Dr. Schmitz: „Nichts“.

Schon diese Äußerung erzeugte einen weiteren „Aufruhr“, der sich noch steigerte, als eine Dame aus dem Umfeld der Verkäufer erklärte, dass diese Aussage nicht zutreffend sei. Den Verkäufern hatte man erklärt, es solle eine Einrichtung für „Betreutes Wohnen“ gebaut werden.

Soziale Gegebenheiten nicht in die Standortüberlegungen einbezogen?

Dr. Schmitz hatte bauliche Details und die Anforderungskriterien an die infrastrukturelle Vernetzung der Einrichtung in die Ortslage beschrieben.

Die Frage, ob die spezifischen sozialen Gegebenheiten in Wickrath bei den Planungen berücksichtigt worden seien, beantwortet Royé mit dem Hinweis, dass man mit den zuständigen Behörden und Fachleuten gesprochen habe. Mit Blick auf die „Genehmigungsfähigkeit“ einer solchen Einrichtung sei dies im Vorfeld geschehen und diese Entscheidungen würden „woanders fallen, als hier in diesem Raum“.

Dazu erklärte eine Teilnehmerin, die seit fast 20 Jahren in Wickrath wohnt, dass die Wickrather Bürger schon viele Probleme allein, ohne jegliche Unterstützung von Politik und Verwaltung, gelöst hätten. Man brauche nicht noch weitere Probleme.

Man könne den Wickrathern nicht vorwerfen, nicht genug für die Integration zu tun. Das wäre sehr oft ohne Hilfe der Politik geschehen. „Wir schützen unsere Kinder und unsere Behinderten“, meinte sie. Diesbezüglich sei der Standort Wickrath ausgereizt.

Royé kann nicht nachvollziehen, dass das KRIZ als „Bedrohung“ angesehen wird.

Royé und Kersting versuchten zu beschwichtigen

Der Versuch von Guido Royé, dem Leiter der Einrichtung Maria Hilf NRW gGmbH, und Hans-Jürgen Kersting, dem Leiter der Einrichtung Kriseninterventionszentrum KRIZ, die Bedenken der Anwesenden zu zerstreuen, dass im neuen KRIZ auch besonders auffällige und teils kriminelle Jugendliche untergebracht würden, misslang unter anderem deshalb, weil Äußerungen, von diesen Jugendlichen ginge keine Gefahr für die Nachbarschaft aus, als Beschwichtigung eingestuft wurden.

Leistungsbeschreibung_Kriz-Mönchengladbach_Seite_06Leistungsbeschreibung_Kriz-Mönchengladbach_Seite_01Dies auch vor dem Hintergrund der Leistungsbeschreibung der Maria Hilf NRW gGmbH, in der auch erklärt wird, dass alle pädagogischen MitarbeiterInnen in Selbstverteidigung ausgebildet sind und dort u.a. von Straftätern, Missbrauchern und Jugendlichen mit starkem aggressiven Verhalten die Rede ist (Zitat):

„2.2 Zielgruppe/Indikation:

Die erste Zielgruppe dieser Hilfeform sind Kinder und Jugendliche, die in einer (Heim-) Einrichtung leben und sich in einer Krisensituation befinden, die durch die bestehenden Rahmenbedingungen kurz- bzw. mittelfristig nicht aufgefangen werden kann, d. h. die momentanen Lebens- bzw. Gruppenbedingungen lassen einen weiteren Verbleib des Kindes/Jugendlichen in dieser Situation vor Ort nicht zu.

Solche Krisensituationen liegen beispielsweise vor bei:

  • körperlichen Übergriffen auf andere Kinder/Jugendliche und MitarbeiterInnen
  • massivem zerstörerischen und fremdgefährdenden Verhalten
  • autoaggressivem Verhalten

Die zweite Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die auf Grund ihrer extremen Auffälligkeiten aktuell von keiner anderen Erziehungshilfeeinrichtung betreut werden können/wollen.

Zum Dritten richtet sich das KRIZ an diejenigen Kinder und Jugendlichen, für die auf Grund ihrer komplexen Problemsituation Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ratlosigkeit im Helfersystem herrscht.

(Straftäter, Missbraucher, Jugendliche mit starkem aggressiven Verhalten, Mädchen mit massiven Tendenzen zur Eigengefährdung).“ (Zitat Ende)

Außerdem hatte Kersting in einem Vortrag u.a. erklärt, dass es, auch in einer geschlossenen Einrichtung, nicht der primäre pädagogische Auftrag der KRIZ-Mitarbeiter sein könne, Entweichungen zu verhindern.

Dementsprechend solle ein so genanntes „Rückführungsmanagement“ durch ein Sicherheitsunternehmen gut strukturiert und zuverlässig organisiert sein, um Entweichungen ad absurdum zu führen.

Bezirksvorsteher will im September erstmals von der KRIZ-Verlagerung erfahren haben

11-11-17-oellersBezirksvorsteher Oellers erklärte mit Bezug auf die Standortauswahl, dass vor der Einladung zur Informationsveranstaltung in das KRIZ am 27.09.2011 niemand in der Bezirksvertretung etwas von dieser Planung gewusst habe.

Auch habe niemand in der Bezirksvertretung Kenntnis vom Grundstückskauf gehabt, er wisse jedoch, dass es eine Bauvoranfrage aber noch keinen Bauantrag gebe.

Fazit einer Teilnehmerin

Gegen Ende der Veranstaltung resümierte eine Teilnehmerin, dass die Informationen, die sie auf dieser Veranstaltung erhalten habe, ihr Angst machen.

Die Planung habe man ein Jahr lang verheimlicht und ein Grundstück sei unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, nämlich „Betreutes Wohnen“ erworben worden, bis zuletzt sei versucht worden, eine Bürgerbeteiligung klein zu halten.

Auf der einen Seite werde gesagt, die problembehafteten Jugendlichen seien nicht im öffentlichen Raum anzutreffen, auf der anderen Seite sollten sie mit dem Bus von Wickrath über den Marienplatz zur Schule am Torfbend fahren. Sie fragte: „Was stimmt denn nun?“

Sie stellte auch die Frage nach dem pädagogischen Konzept, gestrauchelte Jugendliche resozialisieren zu wollen und der Ansiedlung einer solchen Einrichtung ausgerechnet in einem problematischen Umfeld.

Offen blieb für sie warum Schulen, Kindergärten, soziale Einrichtungen, wie Behindertenwohnheime, in der Planungsphase nie angesprochen worden seien und wie die Sozialraumanalyse ausgesehen habe.

Sie endete damit, dass man nur einen Eindruck gewinnen könne: „Sie ziehen ihr Ding durch, und der Rest muss sehen wie er damit klar kommt.“

7 Kommentare zu “KRIZ: Betreiber und Investor konnten Wickrather nicht überzeugen”
  1. @ AnaBolika

    In der Tat kenne ich den Ort noch nicht ganz so gut, weiß aber, dass die Hauptschule hier in Wickrath ausläuft. Also in absehbarer Zeit wird es keine mehr geben.

    Ob von den zu betreuenden Kindern/Jugendlichen einige die Realschule besuchen sollen, ist mir nicht bekannt, da bei der Info-Veranstaltung zu dieser Schulform nichts gesagt wurde.

    Wohl sollen einige Kinder/Jugendliche eine Förderschule in Rheydt, Am Torfbend, besuchen.

  2. @Michaela Hendrix
    ——————————–
    Auch die Aussage, dass in Wickrath die idealen Bedingungen herrschen stimmt doch nicht. In welche Schule sollten die Kinder und Jugendlichen (12-17 Jahre) dort gehen? Hier gibt es nur eine Grundschule.
    ——————————–

    Sie scheinen ihren Ort nicht gut zu kennen oder ist ihnen entgangen das es in Wickrath eine Hauptschule und eine Realschule gibt.

    Also Hauptschule Wickrath Voigtshofer Allee 27 und Realschule Kreuzhütte 24.

  3. Warum wird sofort auf diejenigen gezeigt, die einmal in einem ganz normalen Stadtteil lebten, in den inzwischen Probleme hinein gebracht wurden. Dass es diese in Wickrath gibt, kann niemand wegdiskutieren.

    Das nächste Problem sind Politik und Verwaltung. Dort soll nichts bekannt gewesen sein? Bei niemandem? Kann ich nicht glauben. Schloss Dilborn und die Stadt Mönchengladbach arbeiten schon lange zusammen.

    Vielleicht war die Stadt nicht aktiv bei der Grundstückssuche dabei aber sowas kann man regeln lassen. Makler gibt es genug. Ob der dann wirklich suchte oder nur das von der Stadt längst anvisierte Grundstück angeboten hat, spielt auch schon keine Rolle mehr.

    Warum erfolgte alles heimlich, still und leise? Erst nachdem Unmut der Bürger geäußert wurde, kam man häppchenweise mit halbwahren Infos um die Ecke.

    Warum sagte man den Verkäufern des Grundstückes nicht die Wahrheit? Bei der Info-Veranstaltung bestätigte der Investor Dr. Schmitz das auch. Er hat aber wieder nur die halbe Wahrheit gesagt. Man könnte auch sagen, dass er gelogen hat.

    Warum wurde also bisher alles zurück gehalten? Warum versteckt sich die Stadtverwaltung dahinter, dass noch kein Bauantrag gestellt worden ist. Deshalb wisse man angeblich noch nichts? Für wie dumm sollen wir verkauft werden?

    Die Probleme in Gladbach auf der Kyffhäuserstraße sind bekannt. Dort soll es „besser“ geworden sein. Warum? Hat man nun minder schwere Fälle dort untergebracht, damit es „besser“ wurde?

    Schloss Dilborn hat durch sein Nicht-Informationspolitik selber dazu beigetragen, dass die Leute sich selber Informationen suchten. Das, was zu lesen war und ist, dient nicht dazu, die Bürger zu beruhigen. Im Gegenteil. Noch dazu sind diese Informationen, die man findet von Schloss Dilborn selbst!

    Auch die Aussage, dass in Wickrath die idealen Bedingungen herrschen stimmt doch nicht. In welche Schule sollten die Kinder und Jugendlichen (12-17 Jahre) dort gehen? Hier gibt es nur eine Grundschule.

    Welche Jugendlichen sollen hier untergebracht werden? Im Psychosozialen Adressbuch steht dazu:

    „Beim KRIZ handelt es sich um eine geschlossene Einrichtung und das erste Kriseninterventionszentrum für Kinder in NRW. Träger ist „Schloss Dilborn“, eine differenzierte Jugendhilfeeinrichtung, die in Brüggen verschiedene Erziehungshilfeangebote bereithält.
    Zielgruppe des KRIZ sind Kinder in extremen Krisensituationen, welche zu tun haben mit stark aggressivem Verhalten, sexuellem Mißbrauch vonseiten des Kindes oder Jugendlichen, oder wiederholtem strafbaren Verhalten. Platz ist für bis zu sieben Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahre. Im KRIZ werden die Betroffenen rund um die Uhr betreut – tagsüber von zwei Betreuern, nachts gibt es einen Wachdienst. Klare Regeln und Strukturen sollen den jungen Menschen Sicherheit geben, die häufig eine lange Heimkarriere hinter sich haben. Länger als sechs Monate soll keiner bleiben; das Ziel ist die Rückkehr in die Ursprungsgruppe bzw. die Einrichtung, aus der das Kind gekommen ist.
    Wo dies nicht möglich ist, werden andere Perspektiven erarbeitet.“

    http://www.psychosoziales-adressbuch-moenchengladbach.de/?modus=datensatz&id=752&backlink=uebersicht

    Wenn ich als Mutter lese, dass

    „Kinder in extremen Krisensituationen, welche zu tun haben mit stark aggressivem Verhalten, sexuellem Missbrauch vonseiten des Kindes oder Jugendlichen, oder wiederholtem strafbaren Verhalten.“

    dort untergebracht werden sollen und das KRIZ auch meint, dass es seine Aufgabe nicht ist, dafür zu sorgen oder zu verhindern, dass die Kinder oder Jugendlichen nicht flüchten oder wie man das nennen soll, darf meine Ablehnung nicht verwundern und auch nicht die Ablehnung in der Bevölkerung.

    Auch was bisher in der Presse (Rheinische Post) zu lesen war fördert nicht die Bereitschaft diese Einrichtung positiv zu sehen.

    Vor allem nicht in einem Stadtteil, der in den letzten Jahren genug aufgebürdet bekam. Welche Eltern sehen es gelassen, dass ihr Kind z.B. in der Nähe einer solchen Einrichtung (Zitat KRIZ: sexueller Missbrauch vonseiten des Kindes oder Jugendlichen) in den Kindergarten geht?

    Selbstverständlich muss man versuchen diese Kinder und Jugendlichen zu integrieren. Muss das bei härteren und/oder kritischen Fällen unbedingt innerhalb eines Ortes geschehen?

    Warum nicht erst einmal weiter außerhalb damit beginnen und dann erst, je nach Fortschritt, in ortsnahe Einrichtungen. Ich kann mir z.B. auch nicht vorstellen, dass sich solche Kinder und Jugendlichen nach nur 6 Monaten schon so verändert haben sollen, dass sie das KRIZ verlassen können. Das nur ganz nebenbei.

    Wickrath wurde getäuscht. Politik und Verwaltung verstecken sich hinter angeblichem Nichtwissen. Das ist das Schlimme an der Sache. Das Vertrauen ist nicht mehr da.

    In Hardt oder am Eierberg gibt es bestimmt ähnlich geeignete Grundstücke. Warum nicht dort das KRIZ bauen wenn alles kein Problem ist?

  4. Der Zwischenruf „Wir sind nicht der Mülleimer von Mönchengladbach“ ist ganz aus dem Zusammenhang gerissen worden.

    Dieser Satz ist nicht ganz ohne Brisanz, aber Herr Krumm legt da eine Deutung hinein, die absolut nicht richtig ist.

    Der Rufer hat damit gemeint, dass erst Wanlo und jetzt Wickrath in Ihren Anliegen von der Politik schmählich im Stich gelassen und immer vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

    Warum sind wohl zuerst nur ca. 40 Anwohner der Trompeterallee angeschrieben worden, wenn doch das KRIZ ganz Wickrath angeht?

    Wir in Wickrath lassen uns nicht in die „ rechte Ecke“ stellen!

    Wir engagieren uns im Stadtteil Wickrath für die Eingliederung von Türken, Russen und anderen Nationen. Wir kümmern uns um Behinderte und gliedern Sie in unsere Gemeinschaft ein.

    Trotzdem gibt es immer wieder viele Probleme mit Jugendlichen. Da wir und die Politiker diese Probleme noch nicht gelöst haben, werden die Probleme mit den KRIZ Bewohnern sich noch verstärken.

    Deshalb ist der Standort Wickrath nicht geeignet!!

  5. Nein das KRIZ wurde nicht als Mülleimer bezeichnet. Aber wenn sich die Wickrather selbst als Mülleimer MGs betiteln, ist wohl mit Müll das KRIZ gemeint. Eine Immobilie die gehandelt wird ist wohl eher nicht gemeint. Vielmehr die Kinder und Jugendlichen, die dort betreut werden. Dies ist eine absolute Fehlleistung.

    @ Roland Krumm, danke das sie an die Greuel der Nazis in diesem Zusammenhang erinnern. Ich hoffe, das die Wickrather nicht einen Vergleich sehen, sondern die Andeutung der Gefahr sehen, die durch solch unbedachte Worte wie Müll für Menschen entstehen können.

  6. @ Rudolf Krumm

    Wer laut – ja zu laut ist – ist noch lange niemand, der mit der „Barbarei im sogenannten Dritten Reich“ verglichen werden darf.

    Die von Ihnen genannten Einzelheiten dazu noch einmal aufzuzeigen, erspare ich mir, weil sie vollkommen deplatziert sind.

    Niemand – auch nicht die Schreihälse – hat auch nur im Ansatz etwas Ähnliches behauptet.

    Dass der am Lautesten schreit, noch lange nicht im Recht ist, ist eine Binsenweisheit. Wenn Sie das gestört haben soll, kann man dem ohne weiteres zustimmen.

    Nicht jedoch Ihrer Schlussfolgerungen daraus. Und erst Recht nicht der Vergleich mit „SA-Horden“.

    Sollten Sie einmal jemals bei einer anderen Bürgerversammlung gewesen sein, wo es um andere Themen ging, dann würden Sie ähnliche Lautstärken erfahren haben.

    Zwar vielleicht etwas disziplinierter, aber ebenso laut und mit nicht minder lauten Zwischenrufen und Beifallenskundgebungen.

    Auch dort ging es um Sorgen und Ängste von Bürgern, die den Eindruck hatten von Politikern, Verwaltung und auch von Firmen hinters Licht geführt zu werden.

    Dass Bürger, die so behandelt werden und die dann auch nach bei sachlicher Auseinandersetzung mit einem Thema feststellen, dass sich Aussagen der Akteure widersprechen und Vieles verschwiegen wird, „aus der Haut fahren“, dürfte jedem klar sein.

    Solche Bürger dann in eine „braune Eckes“ stellen zu wollen, ist nicht nur sehr bedenklich, sondern schlichtweg unfair.

    Und noch eins zum Schluss: Niemand hat das Kriz als Mülleimer bezeichnet!

  7. Allen Wickrathern ins Stammbuch

    Als ehemaliger Rektor der Paul-Moor-Schule in MG, einer Schule für Menschen mit einer geistigen Behinderung, drängt es mich, den lautstarken Teilnehmern in der Wickrather Bürgerversammlung unsere jüngste Geschichte in Erinnerung zu rufen: Ein Sohn unserer gemeinsamen Stadt hat in beispielloser Barbarei im sogenannten Dritten Reich Menschen als Ungeziefer bezeichnet. Juden, Roma und Sinti, Homosexuelle, Behinderte, Kriminelle.

    Die damalige Gesellschaft hat es zugelassen, daß diese Menschen als Müll entsorgt werden konnten – ermordet, eingesperrt, sterilisiert.

    Wenn nun Teilnehmer der Bürgerversammlung allen Ernstes glauben, Wickrath würde zu einem Mülleimer verkommen, wenn eine Jugendhilfeeinrichtung wie das Kriz dort angesiedelt wird, dann spricht dies zumindest für eine sträfliche Gedankenlosigkeit: Die jungen Menschen im Kriz werden offenbar von diesen Bürgern als so minderwertig und gefährlich empfunden, dass sie keinesfalls in die Mitte unserer Gesellschaft genommen werden dürfen. Stattdessen irgendwohin, wo kein Hahn nach ihnen kräht.

    Warum nicht gleich in den Mülleimer?

    Diese lautstarken Mitbürger werden jetzt wohl sagen: „So haben wir das nicht gemeint, wir haben nichts gegen das Kriz, aber nicht bei uns! Ich bin doch kein Nazi!“

    Das will ich auch nicht hoffen. Aber die Art und Weise der Auseinandersetzung in der Bürgerversammlung erschreckt mich genauso, wie mich nachträglich die SA-Horden immer noch erschrecken.

    Im Gedenken an die Leiden der Juden und „Zigeuner“ errichtet unsere Gesellschaft heute Mahnmale. Gott sei Dank!

    Behinderte werden beispielhaft gefördert und getragen in der Mitte von uns allen.

    Männer und Frauen, die ihresgleichen lieben, werden nicht mehr ausgegrenzt. Menschen, die das Unglück hatten, kriminell zu werden, haben in entsprechenden Einrichtungen zumindest die Chance zur Resozialisierung.

    Diese Entwicklung nach dem 2.Weltkrieg darf uns ein wenig stolz machen.

    Und deshalb gehört das Kriz in unsere Nachbarschaft, egal, ob diese Wickrath, Hardt oder Neuwerk heißt.

    Das Kriz ist nicht ein Behältnis für Müll.

    Es ist eine Perle, die sich in unserer Gesellschaft entwickeln konnte.

    Behandeln wir sie mit Sorgfalt und begegnen wir den jungen Menschen im Kriz und ihren Helfern mit Wohlwollen und Respekt.

Ihr Kommentar