Rollenspiele – Teil I: Die SPD

Red. Politik & Wirtschaft [ - Uhr]

nrw_wappenzeichen_rgb96Alles, was nach der NRW-Wahl in Düsseldorf passiert, hat Auswirkungen auf die Kommunen und damit auch auf Mönchengladbach. 

Nach Schließung der Wahllokale in Düsseldorf oder anderswo – oder eben in Mönchengladbach: Die Bilder gleichen sich. Frenetischer Jubel und tiefe Bestürzung, unverhohlene Freude und tiefe Enttäuschung.

Gesichter unmittelbar nach den ersten Hochrechnungen sprechen Bände. Mehr oder weniger kluge Wahlanalysen von mehr oder weniger klugen Politikern machen die Runde. Wie kommt dieses übliche „Politikerwahlnachtverhalten“ beim Bürger an?

Die ersten Gesprächsrunden im Fernsehen gleichen einem einstudierten Rollenspiel, bei der nur die Akteure von Wahl zu Wahl wechseln.

Bei der jetzigen NRW-Landtagswahl durfte denn der erstaunte TV-Zuschauer sehen und hören, was er auch am nächsten Tag in der Zeitung lesen konnte. Die Spitzenkandidaten Hannelore Kraft strahlt: „Die SPD ist wieder da“.

Wieder da? Moment mal: 3% weniger als beim letzten schon grotten-schlechten Wahlergebnis in 2005.

Ehrlicher wäre es da schon gewesen zu sagen: „Die SPD ist noch immer da“, um sich dann artig bei den Stammwählern zu bedanken.

Der frenetische Jubel der SPD-Anhänger dürfte wohl eher der Tatsache gelten, dass nunmehr auch die CDU bei ihnen gelandet ist.

Erleichterung lässt also die Genossen jubeln: die CDU ist bei uns angekommen, nun habt ihr, liebe Bürgerinnen und Bürger, auch dieser Partei das Vertrauen und Zutrauen zur Lösung der Probleme entzogen.

Jubel ist also gar nicht angebracht, eher ehrliches Betrübnis.

Ein endgültiger Schlag ins Gesicht der Mönchengladbacher Genossen wäre nun die Amtsaufgabe „ihres“ Oberbürgermeisters Norbert Bude. Nimmt er das lukrativere Amt beispielsweise eines Staatssekretärs an?

Die SPD Mönchengladbach hat zwar Erfahrung mit Ex-Genossen, die dank des Glaubens der Parteibasis erst auf ein Bezirks- und Ratsmandat gehoben wurden, um dann flugs die USPD zu gründen um selbst abzusahnen.

Aber diese Erfahrung einer eigenen und breiten Wählerenttäuschung möchte sie sich lieber ersparen.

5 Kommentare zu “Rollenspiele – Teil I: Die SPD”
  1. An dieser Stelle beenden wir Kommentierungen zu Herrn Budes Zukunft und bitten, allenfalls unmittelbar zum Thema „Landtagswahl & SPD“ (mit Mönchengladbach-Bezug) zu kommentieren.

  2. Zitat von Jose: „Kollegialer Kuschelkurs in der Verwaltung, nach aussen repräsentieren. Das machte sich gut. Der Bürger bekommt’s ja nicht so schnell mit, dass da eigentlich nicht viel „läuft“.“

    Ich wohne jetzt seit Oktober in MG und ich hab das sehr schnell mitbekommen, was da mit Herrn Bude läuft.

    Vertieft und bewarheitet hat sich das, als hier in Wanlo die Biogasanlage zur Disposition stand und noch steht. Keine Positionierung, keine klare Stellungnahme….nichts….

    Zitat:“Wäre natürlich der Hammer, wenn ihm ausgerechnet mangelnder Führungswille und „blos-keinem-weh-tun-Verhalten“ in der Verwaltung auch noch den Sprung zu einem gut dotierten Job in Düsseldorf verhelfen würde.“

    NVV als Arbeit- und Geldgeber nicht weh tun, den Bürgern Brocken hinwerfen…“Ich tu ja was“… ansonsten…“Hey ich bin da und zeige mich.“

    Wer nichts tut, macht keine Fehler, wer keine Fehler macht, fällt nach oben. Nur, lieber Herr Bude, je höher der Berg, um so stärker wehen die Winde.

    Nur kann Herr Bude mit Winden nicht umgehen, das wissen wir seit der Oldtimer-Ralley in Wickrath…. Aussitzen und die Probleme verbuddeln…. oder verOellern??? Wer Wind säht, wird Sturm ernten.

    Reisende soll man nicht aufhalten…. naja…. man sollte schauen, ob er den richtigen Bahnsteig erwischt…..

    Momentan hat er seine Fahrkarte gekauft bei der SPD… aber wenn er denkt dass man nur zusammen als Reisegruppe mit der CDU und der FDP in der 1. Klasse reisen kann, kann es passieren, dass er einen langen Aufenthalt hat.

    Ich leg gerade in meinen CD-Player „Es fährt ein Zug nach nirgendwo….“ Kommt mir passend vor.

    […]

  3. @ mine

    kaum widerspruch, aber:

    die rp-Schreiber kennen herrn bude offensichtlich besser, als er sich selbst. sie haben ihm mit dieser frage eine falle gestellt und er ist prompt hineingetapst.

    vielleicht aber kam ihm diese frage auch recht, weil er damit seine „ambitionen zu höherem“ zum ausdruck bringen konnte, ohne wirklich etwas zu sagen. möglicherweise war er aber auch so naiv zu glauben, dass damit das thema „vom tisch“ sei.

    es kann aber auch sein, dass die rp-leute aber auch darauf aus waren, auf subtile art zwist in der spd zu provozieren und ihr damit zu schaden. darauf ist die mönchengladbacher spd-führung aber offensichtlich noch nicht reingefallen und hält sich stiekum.

    oder aber die rp-Schreiber wollen aktive kommunalpolitik machen, um eine neue ob-wahl herbeizuschreiben, in der Hoffnung, dass die spd (oder die ampel) so schnell keinen neuen ob-kandidaten „aufbauen“ kann und dann ein cdu-mann zum zuge kommt.

    aber das ganze muss man nüchtern sehen (trotz „vatertag“) 🙂

    zunächst mal müssen sich in düsseldorf neue Koalitionäre finden und die politischen ziele der neuen regierung festlegen. das wird nicht einfach, wenn man schon allein die unterschiedlichen grundausrichtungen berücksichtigt.

    es wäre töricht, jetzt schon über pöstchen zu reden oder aber auf solche zu spekulieren.

    auch wenn der anschein erweckt wird, dass mönchengladbacher spd-politiker „der nabel der nrw-spd“ wären, da ist das letzte lied noch nicht gesungen.

    aus diesem grund ist es taktisch unklug, dass herr bude sich „alles offen“ lässt und sich nicht so richtig auf seinen aktuellen job konzentriert.

    wenn es nämlich nicht klappt, hat er die „a-karte“ gezogen und muss mit dem „makel“ weiter ob sein, dass er jederzeit „auf dem absprung“ ist.

    und das noch fünf jahre lang, bis zur nächsten ob-wahl. herzlichen glückwunsch!

    sollte er wohlmeinende berater haben, müssten die ihm empfehlen, sofort „klaren tisch“ zu machen und einer karriere in düsseldorf „abzuschwören“.

    es gibt ein geflügeltes Wort, wenn es darum geht, karriere machen zu wollen: „will man lieber könig der a-löcher bleiben oder a-loch der könige werden?“ (sorry, aber so heißt das eben) 🙂

    aber darauf läuft es doch irgendwie hinaus.

    in der wirtschaft zumindest haben schon viele karriere machen wollen und standen am ende mit leeren händen da, weil sie dem neuen job nicht gewachsen waren – fachlich, mental, persönlich.

  4. Da lese ich in der RP „Kein Kommentar“ – das sagt mir schon genug:

    Unser OB hält sich das Ministertürchen offen, also ist der OB-Posten für ihn nur 2. Wahl.

    Entweder es kommt jetzt ein klares Bekenntnis zu diesem Amt und damit zur Stadt oder er verliert total an Achtung. Zum Minister wurde er nicht von den Gladbachern gewählt.

    Unter der CDU-Mehrheit konnte er nicht viel gestalten, jetzt könnte er, aber da zeigt sich auch am Beispiel seiner halbherzigen Versprechungen zu den Behinderten-WC’s, dass er staatsmännisch moderieren kann. Probleme anpacken sieht anders aus.

    Da fängt sich Frau Kraft ja was groß-staatsmännisches ein: toller Auftritt, nichts dahinter. Von solchen Ministern haben wir schon weiß Gott genug im Land. Warum hält sie sich nicht an Körfges? Der ist doch lang genug im Land für die SPD dabei.

    Frau Kraft findet Herrn Bude sympathisch – so wird also Politik gemacht. Nein danke vor solchen Sympathie-Seilschaften.

  5. Gute Frage: Was will eigentlich unser OB?

    Hat er vielleicht nicht begriffen, dass er 2005 einen ganz klaren Wählerauftrag erhielt? Gut, er war ein mehr oder weniger zahnloser Tiger in einer CDU-FDP-gesteuerten Verwaltung.

    Aber: ER hatte sich dieser Aufgabe gestellt. War es ihm nicht klar, was das bedeuten konnte und vor allem WAS man von ihm in diesem Fall erwartet? War er sozusagen nur „zufällig“ das Treppchen nach oben gefallen? Damit gerechnet hatte niemand. Vermutlich nicht einmal er selbst – wenn er ehrlich ist.

    Kollegialer Kuschelkurs in der Verwaltung, nach aussen repräsentieren. Das machte sich gut. Der Bürger bekommt’s ja nicht so schnell mit, dass da eigentlich nicht viel „läuft“. Hatte er doch ausserdem die Ausrede hinsichtlich der politischen CDU-FDP-Übermacht.

    So konnte er nach aussen glänzen und das verhalf ihm, neben einem schwachen CDU-Konkurrenten, zur Wiederwahl.

    Jetzt aber mit Ampel. Die berühmten 100 Tage sind auch herum – und?

    Ist er das Merkel-Pendant, die man inzwischen „Mutti“ nennt?

    Scheint so – leider!

    Wäre natürlich der Hammer, wenn ihm ausgerechnet mangelnder Führungswille und „blos-keinem-weh-tun-Verhalten“ in der Verwaltung auch noch den Sprung zu einem gut dotierten Job in Düsseldorf verhelfen würde.

    Aber: Überlege wohl, was du dir wünschst – es könnte dir gewährt werden!

    Spätestens dann wird Herr Bude zeigen müssen, was und ob er was kann …

    Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten. Vielleicht war unsere arg gebeutelte Stadt für ihn nur eine Station auf der Durchreise zu einem größeren, bequemeren Ziel?

    Wenn ja, dann hoffentlich bald ein Wechsel, damit rechtzeitig gehandelt und die nächsten 4 1/2 Jahre regiert wird: Bon Voyage!

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