BSK Mönchengladbach: „Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen 2019 in Mönchengladbach darf nicht wieder zu einem unbeachteten ‚Unter-sich-bleiben-Wohlfühltag‘ für Menschen mit Behinderungen werden“ • „Versagen Mönchenglad­bacher Behindertenpolitik endlich öffentlich thematisieren!“ [mit Video]

Bernhard Wilms [ - Uhr]

[18.06.2018] Mindestens 10 Jahre lang wurde auch in Mönchengladbach am 5. Mai der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen begangen.

Ursprünglich auch in Mönchengladbach als Protesttag angelegt, wurde er als „Tag der Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderungen“ entwickelt, der in den letzten Jahren zu einem „Begegnungstag unter sich“ von Menschen mit Behinderungen und deren Organisationen wurde.

Ohne Christopher Micha von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle (KoKoBe) im Paritätischen an der Friedhofstraße hätte es selbst diesen nicht gegeben.

„InklusiVisionsNight“ am 4. Mai im Paritätischen Zentrum • Menschen mit und ohne Behinderung in fünf Bands auf der Bühne vereint • Neues Format für den „Tag der Begegnung“ ab 2019 mit konkreten örtlichen Themen?

Denn wirkliche Proteste von Menschen mit Behinderung und deren Interessenvertretern „gehörten sich einfach nicht“. Konkrete kritische Äußerungen auf der Bühne zu Zuständen in Mönchengladbach waren nicht gewünscht und nicht im Sinne der Moderatorinnen.

Solche Äußerungen hätten das „politische Wohlfühl-Klima“ und den vermeintlich „sozialpolitischen Frieden“ in unserer Stadt nur gestört.

Wenn nun – wer auch immer – sich für 2019 ein „neues Format“ ausdenken und entwickeln will, kann die Glaubwürdigkeit dieses „Europäischen Proteststages“ in Mönchengladbach nur dadurch zurück bringen, dass die konkreten Missstände in dieser Stadt thematisiert und öffentlich gemacht werden.

So, wie es Dunja Fuhrmann, stellvertretende Landesvorsitzende des BSK Saarland (Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.) am 5. Mai in Saarlouis in ihrem etwa 20-minütigen Grußwort auf dem landesweiten Protesttag machte und damit heftige Kritik am Umgang mit den Rechten von Menschen mit Behinderungen vorgebracht hat.


Das brachte ihr von der saarländischen Sozialministerin Monika Bachmann (CDU) den Vorwurf von „Aggressivität“ ein, die ganz offensichtlich konsterniert die Feststellungen Fuhrmanns zur Kenntnis nehmen musste, und es in ihrer Erwiderung nicht einmal schaffte, das Wort „Behinderung“ auszusprechen, sondern sich mehrfach des verniedlichenden Begriffes „Handicap“ bediente.

Das, was Dunja Fuhrmann bezogen auf das Land Saarland anprangerte, trifft sowohl auf das Land NRW als auch auf viele Kommunen in diesem Land und besonders auch auf Mönchengladbach zu.

Wie im Saarland haben in Mönchengladbach CDU und SPD die Mehrheit und könnten Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen schaffen … wenn sie es denn wollten.

Wie im Saarland gibt es auch in Mönchengladbach mit Dörte Schall eine Frau, in deren Verantwortungsbereich als Sozialdezernentin die Belange von Menschen mit Behinderungen liegen, allerdings mit einem SPD-Parteibuch.

Ihr offenes Bekenntnis in Wort und Tat zu den Rechten von Mönchengladbachern mit Behinderungen in deren Lebensumfeld: Fehlanzeige.

Zu kaum mehr als einer Unterschrift unter dem „Inklusionsbericht“ der zu ihrem Verantwortungsbereich zählenden Stabstelle Inklusion hat es bislang nicht gereicht.

Dementsprechend fallen auch die Aktivitäten dieser Stabstelle im Interesse der Menschen mit Behinderungen aus. Diese ist nicht mehr als eine „Verwaltungsstelle“, die sich den „Spielregeln“ der Verwaltung unterzuordnen hat und darauf setzt, dass sich die Menschen mit Behinderungen am besten ausschließlich selbst um ihre Rechte kümmern.

So wie beispielsweise die Schwulen und Lesben als CSD Mönchengladbach, die mit einem einheitlichen Auftreten ihre berechtigten Rechtsinteressen, ohne gesundheitliche und soziale Beeinträchtigungen im Sinne von Behinderungen, durchzusetzen vermögen.

Sie haben die Kraft und die Möglichkeiten, sich in verschiedenen gesellschaftlichen Schichten das entsprechende Gehör zu verschaffen, auch weil sie in der Politik „namhafte“ Fürsprecher haben.

Dies auch, weil ihre Forderungen kein fundamentales Umdenken im politischen Handeln und keine organisatorischen und technischen Maßnahmen nach sich ziehen, für die die Politik „Geld in die Hand“ nehmen müsste.

Trotzdem bekommt selbst der CSD MG die unsägliche Weigerung des CDU-Oberbürgermeisters Hans Wilhelm Reiners zu spüren, als dieser ablehnte, dass die Stadt Mönchengladbach Mitveranstalter der schwul/lesbischen Veranstaltung „Gay*Com“ 2017 würde, und er darüber hinaus untersagte, dass als symbolische Geste Regenbogenflaggen an den beiden Ratshäusern gezeigt werden könnten.

Mönchengladbach vertreibt die „Gay*Com“

Dies ist – mit Verlaub – in diesem Kontext eine Petitesse und von einem nicht nachvollziehbaren („konservativen“?) „Weltbild“ geprägt.

Minderheiten, insbesondere problematisch erscheinende, haben es in dieser Stadt leider schwer, da mit ihnen vermeintlich wenig Furore zu machen zu sein scheint.

Im Gegensatz zu Menschen mit Behinderungen hat der CSD Mönchengladbach wenigstens eine namhafte „Fürsprecherin“ in der SPD-Sozialdezernentin Dörte Schall, die gerne öffentlichkeitswirksam die „Dauer-Schirmherrschaft“ angenommen hat.

Würde Schall auch nur einen Bruchteil ihres CSD-Engagements für Belange der weit über 50.000 Menschen mit Behinderungen in dieser Stadt aufwenden, würde sie ihrer Aufgabenstellung als sicher nicht schlecht bezahlte Sozialdezernentin gerecht.

Bei dieser Kernaufgabe könnte sie natürlich nicht in einem „bunten“ Umfeld brillieren, nicht so viel Spaß auf Bühnen mit fetziger Musik und in hipper Atmosphäre haben.

Denn für die meisten Menschen mit Behinderungen ist das Leben nicht bunt, sondern von Gesundheits-, Rechts- und Existenzsorgen geprägt.

Für sie ist nichts „hip“.

„Uns bleibt … wenn wir dazu noch die Kraft finden … nur der Protest, der uns psychische und physische Kraft kostet“, erklärt Albert Sturm, Leiter der Kontaktstelle des BSK Mönchengladbach.

Das sei nicht nur am 5. Mai eines jeden Jahres der Fall, sondern permanent.

„Wenn es denn Organisatoren für einen „Protesttag 2019“ in Mönchen­glad­bach geben sollte, die finanziell von städtischen Geldern unabhängig sind, dann sollten diese sich die Worte und Bilder von Dunja Fuhrmann ansehen und auf dieser Basis für den Mai 2019 planen. Ansonsten sollten sie es lassen“, schließt Sturm.

4 Kommentare zu “
BSK Mönchengladbach: „Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen 2019 in Mönchengladbach darf nicht wieder zu einem unbeachteten ‚Unter-sich-bleiben-Wohlfühltag‘ für Menschen mit Behinderungen werden“ • „Versagen Mönchenglad­bacher Behindertenpolitik endlich öffentlich thematisieren!“ [mit Video]”
  1. Vergesen:

    Vielleicht weiß Frau Bachmann etwas zu all den Fragen? Gerne auch andere Politiker. Her mit den Gegenargumenten!

  2. Frau Fuhrmann erwähnte auch die Inklusion in der Schule. Die wird in Deutschland zu einem Riesenproblem gemacht.Warum? DAS SOLL UND DARF NICHTS KOSTEN!!!

    Inklusion in der Schule ist möglich, wenn es gewollt ist – und die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden.

    Andere Länder können das. Kanada z.B.

    „Deutscher Inklusions-Schüler in Kanada, Finnans weiter Weg zum Glück

    Kanada ist Deutschland beim Thema Inklusion 30 Jahre voraus. Sonderschulen für Behinderte sind dort längst abgeschafft. Finnan aus München geht seit einem Jahr in Toronto zur Schule. Wie läuft’s?“

    http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/inklusion-in-kanada-wie-laeuft-es-in-den-schulen-a-1204286.html

    In Deutschland fehlt dazu der Wille und angeblich Geld.

    Geld ist für alles Unmögliche da, nur nicht für Sinnvolles.

    Steuergeschenke an Reiche und Konzerne? Kein Problem!

    Militärausgaben erhöhen? Kein Problem!

    Kräftige, jährliche Diätenerhöhungen in Selbstbedienung der Abgeordneten?

    Kein Problem!

    Kräftige, schnellstmögliche Erhöhung der Parteienfinanzierung in zweistelliger Millionenhöhe?

    Kein Problem – in nur EINER WOCHE war das selbstverständlich möglich!

    Bundestag inzwischen 709 Abgeordnete statt der „üblichen“ 598 (die auch schon zu viel sind) dank Überhangmandaten. Der teuerste ever. Und?

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article169002203/Der-neue-Bundestag-ist-der-groesste-und-teuerste-aller-Zeiten.html

    Kein Problem! Schade, schade, bisher konnten sich die Politiker zu keiner Begrenzung auf die übliche Anzahl durchringen! Warum auch. Die Bürger zahlen doch!!!

    Merken tun das (und vieles, vieles andere!!!) die Wenigsten. Das sind notfalls dann eben Wutbürger.

    Man könnte auch, je nach Ausgangslage, Reichsbürger nehmen. Das ist die neue Lieblingsvokabel der Politik/er. Damit kriegt man JEDEN mundtot, stellt ihn damit in eine gewünschte Ecke und Ruhe ist!

    Umsetzungwille, entsprechende Gesetze, gar Geld für Inklusion?

    GEHT GAR NICHT!!! Geht nicht, funktioniert nicht, ist nicht gewollt. Gut is! Wo kämen wir da hin!

    Und die böse, böse, aggressive Frau Fuhrmann?

    Die setzt sich für Ihre Mitbetroffenen ein, was der guten Frau Ministerin, die vorher von der Bühne runter irgendwelchen Leute zuwinkte und rumflachste, sich offensichtlich gelangweilt hat, die benutzt wenigstens die „richtigen, wohlgesetzten“ Worte und drückt damit NICHTS aus und sonderte außer Sprechblasen, die inhaltlich sowieso nie umgesetzt werden, NICHTS aus.

    Tja, so sind Politik und Politiker eben. Die setzen die (für sich selbst) „richtigen und wichtigen“ Prioritäten. Die Bürger zahlen und werden auch noch für blöd verkauft.

    Immerhin und angeblich „repräsentativ“ – oder doch nicht???

    Viele regen sich über Trump und sein „America first“ auf. In Deutschland heißt es dafür (unausgesprochen): Politik/er, Großkonzerne, Reiche und Lobbyisten first!

    Und das wird umgesetzt! Ohne wenn und aber. Die Bürger zahlen und nur bei denen wird immer gekürzt. Fair oder unfair? EGAL!

    Wo sind die, die sich darüber aufregen?

  3. Sozialministerin Monika Bachmann/CDU kritisiert Frau Fuhrmann und erklärt im Brustton der Überzeugung, dass sie im Saarland keinen Bürgermeister bis hin zu „Kollegen“ in der Landesregierung kennt, die nicht dafür sorgen, sich darum kümmern und Gedanken machen, dass „Menschen mit und ohne Handicap“ vernünftig miteinander leben.

    Sie wirft Frau Fuhrmann Aggressivität und falsche Wortwahl vor.

    Ach, Frau Bachmann. Leben und erleben Sie doch mal was Sie und Ihre „Kollegen“ an Wohltaten für Behinderte wirklich schaffen!

    Dann verstehen Sie vielleicht endlich den berechtigten Ärger Betroffener.

    Warum erinnern mich Frau Bachmanns Aussagen so stark an Mönchengladbach? Der OB (und andere, insbesondere Politiker) dieser Stadt gibt sich auch immer sehr gerne sehr „verständnisvoll“ in Bezug auf Behinderte und übernimmt schon mal gerne medienwirksam eine Schirmherrschaft. Das war’s dann aber auch schon.

    Zitat RP:

    „OB und Schirmherr Hans Wilhelm Reiners zieht eine positive Bilanz. „Viele Barrieren, die es damals gab, sind heute nicht mehr vorhanden.“ Aber er weiß, dass es auch noch einiges zu tun gibt: „Ich weiß, dass es Kritik gibt an städtischen Räumen in Rheydt. Es gibt konkrete Überlegungen für einen neuen Standort. Dort wird es barrierefreie Zugänge geben“, betont er. Auch in der abschließenden Diskussionsrunde wird klar: Viel Positives wurde erreicht, aber es ist noch ein Stück Weg zu gehen.“ Zitat Ende.

    https://rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/protest-fest-zur-gleichstellung-von-behinderten_aid-20973355

    OB Reiners meint sicher z.B. das Amt für Grundsicherung in Rheydt, das gerade von Behinderten häufiger angesteuert werden muss. Das allein ist schon schlimm genug. Barrierefreiheit? Fehlanzeige!

    Als „Trost“ erklärt OB Reiners: „Es gibt konkrete Überlegungen für einen neuen Standort. Dort wird es barrierefreie Zugänge geben.“

    Na, dann … Wann immer das mal was wird. Er meint doch hoffentlich nicht den Rathausneubau.

    Aber, er zieht eine positive Bilanz … 🙁

    JEDER sollte immer daran denken, dass man schneller der ungeliebten Gruppe der Behinderten angehören kann, als man denkt.

  4. Das eingebettete Video macht mich fassungslos.

    Diese Dame im gelben Blazer links vorne auf der Bühne verhält sich respektlos gegenüber Frau Fuhrmann, die wirklich alle Aufmerksamkeit verdient und „richtig `was zu sagen hat“.

    Was sollen diese Hampeleien und Grimassen während Fuhrmanns Rede?

    Offensichtlich handelt es sich hier um die saarländische Sozialministerin, die sich in der Öffentlichkeit nicht zu benehmen weiß. Einen politischen Gegner nicht zu respektieren, nur weil er sitzt und man selber steht, das geht nicht!

    Augenhöhe kann wohl jeder Bürger erwarten, ob Frau, Mann, Rollstuhlfahrer oder Fußgänger.

    Auch wenn die Ministerin sich hier mit Ihrer Politik angegriffen sieht, so hat sie kein Recht, Frau Fuhrmann Benimmunterricht zu erteilen.

    Sie selbst hingegen sollte aufgrund der Würde ihres Amtes stets ein tadelloses Vorbild sein.

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