Symptome der Macht • Teil XXXI: Von komischen Opern in Mönchengladbach und anderswo [mit Video]

Glossi [ - Uhr]

Tach Leute! Manchmal passiert einem sowas: Da liest man was und hat sofort eine Melodie im Kopf und bekommt sie einfach nicht mehr los. Das ereilte mich beim Lesen des Artikels der Westdeut­schen Zeitung über ein Gespräch mit dem FWG-Fraktionsvorsitzenden Bernd Püllen.

Demnach soll Erich Oberem schon weit vor Püllens Ausschluss aus der FWG „seinen“ Ausschussmitgliedern mit Rausschmiss aus der FWG gedroht haben, falls sie sich nicht an jeden Satz von Oberems „Vorgaben“ halten würden.

Das bestätigten mir auch ehemalige FWG-Mitglieder.

Hui, das hat was! Da bekommt das „dem Gewissen verpflichtet sein“ eine ganz neue Bedeutung. Oder sollte ich besser sagen „dem Diktat verpflichtet sein“?

Oberem soll es sogar soweit getrieben haben, dass er einen seiner Vertrauten beauftragte, Ausschusssitzungen als „Besucher“ mit dem Auftrag beizuwohnen, festzustellen, wie sich die FWG-Ausschussmitglieder verhalten und ob sie Erichs schriftliche Vorgaben auch wirklich wortwörtlich vortrugen.

Das ist echt krass!

Diese erzwungenen Verhaltensweisen sollen den übrigen Ausschussmitgliedern und Pressebeobachtern nicht verborgen geblieben sein.

Vor allem dann nicht, wenn das Ablesen von Oberems Texten auch noch so gar nicht zur sonstigen Ausdrucksweise der „FWG-Kollegen“ passen wollte.

Das haben die Betreffenden bestimmt auch schräg empfunden – aber, da mussten die durch, denn sonst, siehe oben: Parteiausschluss!

Dann doch lieber blamieren? Offensichtlich waren dazu bisher manche FWG-Mitglieder in den Gremien bereit.

Dass Diskussionsbeiträge der FWG-Ausschussmitglieder schon aus diesem Grund (nämlich der allseits bekannten „Oberem-Statement-(Vor-)lesungen vom Blatt“) nicht wirklich ernst genommen wurden, war nicht nur einmal festzustellen und logisch.

Nicht erst nach fast 20 Jahren Parteizugehörigkeit ist Bernd Püllen offensichtlich zu dem Schluss gekommen, dass die FWG Anzeichen einer „Sekte“ aufweist. Das hat wohl schon lange an ihm „genagt“.

Bislang hatte ihn wahrscheinlich die Grundidee einer ideologiefreien Kommunalpolitik, die Loyalität zu den FWG-Mitgliedern und den Fraktionskollegen davon abgehalten, schon früher die Reißleine zu ziehen.

Das brauchte er nun nicht mehr selber zu tun.

Das nahm ihm Oberem gerne ab, denn für den ging es schließlich um sein ganz spezielles Ganzes.

Sein Lebenswerk war in Gefahr! (glaubte er!)

Konkurrenz war erwachsen (glaubte er!), die es wagte selber zu denken!

Autonom! Man stelle sich das vor! Selber denken und auch noch handeln – ohne Erich vorher gefragt zu haben! Sowas nach all den vielen Jahren des Gehorsams!

Hat der gute „Onkel Erich“ aber bei alledem, was er da veranstaltete, geglaubt, dass er mit Püllens Ausschluss aus der FWG automatisch erreicht, dass dieser auch den Fraktionsvorsitz verliert?

Klar, in seiner blindwütigen Attacke gegen seinen langjährigen, und nun vermeintlich „abtrünnigen“ Weggefährten muss das doch so sein!

Das (Verlust des Fraktionsvorsitzes) wäre übrigens nur möglich, wenn Püllen dieses Amt freiwillig abgibt. Wenn nicht, muss die Fraktion ran und ihn abwählen. Ob die das wollen?

Dann wird die Sache ja immer peinlicher, und was werden erst die denken, die damit geliebäugelt hatten oder sogar überzeugt waren, im Mai die FWG zu wählen!

Das schert E.O. keinen Deut. Für ihn steht fest: „Wer die FWG nicht wählt, ist selber schuld“.

Die Presse wird dann allein durch die bloße Berichterstattung über die FWG-Realität kostenlose Anti-FWG-Wahlwerbung machen.

Egal was die auch schreiben. Das Ergebnis ist immer dasselbe: ein ganz schlechtes Image für die FWG – dem Verhalten Erichs sei Dank – das fatal an die berühmte, vielzitierte beleidigte Leberwurst erinnert!

Von wegen Verjüngung der FWG! Oberem hat offensichtlich längst bereut, dass er vor zwei Jahren sein Ratsmandat aufgab – eben wegen besagter „Verjüngung“ …

Erich Oberem hatte im November seine FWG damit überrascht, dass er wieder in den Rat will und sich schon mal einen aussichtsreichen Listenplatz gesichert.

Jetzt rückt er in der Reserveliste (wieder) „nach oben“ und würde theoretisch auf Platz 4 landen. Theoretisch!

 

So, liebe Leute!

Nach dieser Overtüre wartet Ihr jetzt natürlich darauf, welches Lied mir nicht aus dem Kopf ging.

Das war das, wo in Mozarts „Figaros Hochzeit“ der junge Cherubino (von Figaro als Narziss tituliert) zur Armee soll, wegen des Offizierspatentes, mit dem ihn der Graf weglocken will wodurch er alle seine „Liebschaften“ aufgeben muss:

Wer die Szene in voller Länge genießen möchte, klicke einfach auf das Youtube-Icon.

Und warum mir das in den Sinn kam, liegt an dem besagten WZ-Artikel.

Darin wird Bernd Püllen zitiert, dass innerhalb der FWG „sehr patriarchalisch Strukturen um eine ausgeprägt narzisstische Persönlichkeit“ vorherrschen.

Das bestätigten  einige FWG-Mitglieder nach dem Püllen-„Rauswurf“ – aber geahnt habe sicher nicht nur ich, sowas in der Art schon immer.

Und was meinten dieselben FWG-Mitglieder?: „Herr Püllen hat zwar richtig gehandelt, aber ich konnte doch nicht gegen Erich stimmen!“.

Toll! Sowas nennt man, glaube ich, Nibelungentreue – bis zum „Untergang“.

Wäre es nicht so traurig, könnte man fast drüber lachen. Eine echte Provinzposse, die FWG-Chef Oberem da inszeniert.

Die „narzisstische Persönlichkeit“ ließ mich nicht ruhen.

Nicht weil es wegen des milden Wetters sicher schon bald Unmengen von Narzissen als erste Frühlingsboten geben wird.

Klar, dass Püllen nichts Botanisches im Sinn hatte. Von wegen der „narzisstischen Persönlichkeit“.

Also habe ich recherchiert. Wikipedia: „Die Narzissen (Narcissus) bilden eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Amaryllidoideae innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Die Art Narcissus pseudonarcissus wird oft auch Osterglocke genannt.“

Ähm, ne, das konnte es nicht wirklich sein. Klingt zwar wie Plural von Narziss aber das mit den Pflanzen, ne, das ist sicher nicht das was Püllen meinte.

Dann bin ich auf einen Focus-Test gestoßen, in dem man mittels von (nur) 9 Einzelfragen erfahren kann: „Wer ist ein Narzisst?“

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/tests/test-wer-ist-ein-narzisst_aid_766151.html

Also das erscheint mal interessant und kommt der Sache schon viel näher. Hab’s auch gleich mal probiert und bin gescheitert. Nix mit Narzisst bei mir.

Bei Wikipedia habe ich dann noch das gefunden:

„…Der Begriff leitet sich ab von Narkissos/Narziss, einem Jüngling der griechischen Mythologie. … Im engeren Sinn bezeichnet er eine auffällige Selbstbewunderung oder Selbstverliebtheit und übersteigerte Eitelkeit…“

Und dann gibt’s da noch einen Rainer Sachse. Der beantwortet auf 120 Seiten in „Selbstverliebt – aber richtig“ die Frage was er so zu „Narzissmus“ herausgefunden hat.

Das Buch erschien (übrigens 2012 schon in der sechsten Auflage) im Klett-Cotta-Verlag [ISBN 978-3-608-94098-5].

Es muss also schon eine rege Nachfrage geben.

Der Autor gibt klasse Ratschläge, die, da scheint er sicher zu sein, zum Narzissmus vom Feinsten führen.

Sachse gibt Ratschläge für das optimale Ausleben von Narzissmus.

Hat das da etwa jemand auswendig gelernt? Wenn ja, hat er dabei den satirischen Unterton „überlesen“ …!

Oder ist da jemand“ einfach nur so und merkt gar nichts? 

Wer sich nun immer noch nichts unter einem Narziss vorstellen kann, der braucht nur mal in das Inhaltsverzeichniss zu schauen,

Klickt mal auf die Grafik und Ihr bekommt einen Eindruck von dem, was unter einer „narzisstischen Persönlichkeit“ zu verstehen ist.

Logisch, dass Rainer Sachse Verhaltenstipps für Narzissten gibt und in den jeweiligen Kapiteln echt klasse Beispiele, Tipps und Hinweise bereit hält.

Aber: Ob E.O. sich nun als Narziss sieht oder nicht –  die „FWG-Affäre Oberem“ scheint noch für einige weitere Kapitel gut zu sein.

Das wollt’ ich nur mal gesagt haben.

Euer Glossi

Ein Kommentar zu “Symptome der Macht • Teil XXXI: Von komischen Opern in Mönchengladbach und anderswo [mit Video]”
  1. Gut dass diese komische Oper auf Wunsch vom FWG-Chef noch vor den Wahlen aufgeführt wurde. Hätte mich echt geärgert, wenn ich denen meine Stimme gegeben hätte und dann sowas!

    Wie find ich das denn. Vom Zettel ablesen müssen, was der große Manitu wünscht! Die können bei der FWG von Glück sagen, dass die das nicht alles auswendig lernen mussten.

    Textvorschlag zu der Arie für die FWG: „Du wirst nicht mehr die Wähler erobern, ein Sturkopf, ein großer Egoist.“

    Aber mal ohne Quatsch. Es ist schade drum.

    Die FWG hatte sich echt gemausert und dann kam ein Klopper nach dem anderen. Schon die Schote mit „Wimmers for Bürgermeister“. Schade, wirklich schade!

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