Grüne zu Bahnhof Rheydt: Komplettabriss darf nicht die einzige Lösung sein • Baufachleute: „Substanz durchaus erhaltenswert“

Red. Rheydt [ - Uhr]

Der Hauptbahnhof prägt das Rheydter Stadtbild entscheidend – das Gebäude liegt direkt im Zentrum der City, gut 300 Meter entfernt vom Marienplatz, und ist ein ideales Tor zur Innenstadt. Ein Punkt, den nicht nur die Masterplaner erkannt hatten, meinen die Bündnisgrünen.

„Der Bahnhof ist vor allem im Hinblick auf seine verkehrliche Schlüsselstellung in der Verbindungsfunktion zum Rheydter Westen wichtig für die künftige Entwicklung Rheydts“, sagt Karl Sasserath, Fraktionsvorsitzender der Mönchengladbacher Grünen und zugleich Mitglied der BV Süd.

Vor dem Hintergrund dieser Tatsache war sich die Politik einig darüber, dass der Hauptbahnhof Rheydt für den symbolischen Preis von einem Euro von der Stadttochter EWMG gekauft werden soll.

Das indes muss bald geschehen, da in gut sieben Wochen, am 31.12.2015, das Zugriffsrecht der Stadt auf den Bahnhof ausläuft.

Wenn die Stadt ihn über ihre Tochtergesellschaft nicht kaufte, könnte die Deutsche Bahn das Gebäude mit seinen gut 3.000 Quadratmetern Verkaufsfläche an Investoren geben, wodurch die Steuerung in städtebaulicher Hinsicht aus der Hand gegeben würde.

Das weitere Verfahren sieht nun vor, den Bahnhof an den Interessenten zu veräußern, der das beste Konzept vorhält.

Es muss also nicht zwingend an den Höchstbietenden verkauft werden.

Was aber soll nun mit dem Gebäude geschehen, dessen Abbruch rund 463.000 Euro kosten würde?

Wie ein Bausubstanzgutachten ergab, wäre seine Sanierung nicht unbedingt rentabel.

„Das hieße aber nicht zwingend, bei allen weiteren Planungen das Bahnhofsgebäude von vorn herein aus dem Gesicht der Stadt verschwinden zu lassen“, sagt Sasserath.

Die Grünen hätten sich als erste und schon sehr frühzeitig politisch dafür stark gemacht, dass die Stadt den Rheydter Hauptbahnhof erwirbt.

„Wofür wir aber dabei nie plädiert haben, ist, ihn durch die Stadt erwerben zu lassen, nur damit er dann einfach abgerissen wird“, sagt Sasserath.

Dass verwahrloste Gebäude durch geeignete bauliche Maßnahmen für das Gesicht der Stadt erhalten bleiben können, zeigen etliche Beispiele in Mönchengladbach.

So etwa das gut sanierte „Schimmelhaus“ an der Limitenstraße oder das Kühlen-Gelände an der Eickener Neuhofstraße, wo ein neuer Bürokomplex entstand, bei dem die historische Fassade des alten Gebäudes erhalten wurde.

„Wenn nach der Abwicklung des Kaufs die städtebaulichen Entwicklungsvorschläge erarbeitet und diskutiert werden, könnte auch eine solche Vorgabe ins geplante Investorenauswahlverfahren einfließen“, meint Marco Feinendegen, Sprecher der Grünen in der BV Süd.

Bei der Formulierung der Aufgabenstellung für den anstehenden Investorenwettbewerb sollte aus seiner Sicht nicht von vorn herein von einem Abriss ausgegangen, sondern auch Konzepte zugelassen werden, die einen Erhalt der Bausubstanz vorsehen, meinte Sasserath.

Schon im Oktober 2012 hatte Sasserath diese Position vertreten:

Bündnisgrüne befürchten Abriss des Rheydter Hauptbahnhof-Gebäudes

Darüber hinaus gab es im Jahr 2010 im Zusammenhang mit den Überlegungen die „Tante Ju“ auf dem Dach des Rheydter Hauptbahnhofes „grounden“ zu lassen, Begehungen von VfA-Architekten und Baufachleuten der DB AG, bei der festgestellt wurde, dass die bauliche Substanz grundsätzlich keinen Abriss des Gebäudes rechtfertigen würde.

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